Vom Krampf der Geschlechter


Bedient sich mit seinen Witzen über den Zank der Geschlechter der alten Rollenmuster und bevorzugt die Zoten der kurzen Wege: Mario Barth. Foto bos

Bedient sich mit seinen Witzen über den Zank der Geschlechter der alten Rollenmuster und bevorzugt die Zoten der kurzen Wege: Mario Barth. Foto bos

Kiel – Vierzig Minuten Verspätung beim Einlass, das nervt manchen, der, bei freier Platzwahl im ausverkauften Kieler Schloss, extra früh vor verschlossenen Türen in Startposition gegangen war, um dem letztjährigen Gewinner des Deutschen Comedypreises in der Kategorie "Best Live Comedy" möglichst nah zu kommen. Wenn es um die besten Plätze geht, kennt dieses Land keinen Humor. Im Schloss dann schon: Hier kalauert sich Mario Barth in sein frisches Programm Männer sind primitiv, aber glücklich! und hier heimst er erste Lacher ein. Lacher, Gröhler und Kiekser übrigens, die sich im Laufe der kommenden zwei Stunden irgendwann von der Pointe lösen und als Kapitulation vor der differenzierten Wahrnehmung und Hingabe an die Berliner Schnauze Barths unkontrolliert den Raum durchirren.
Wie das? Mario Barths ehemaliger Sauf-, Junk Food- und Fernsehkumpel hat eine neue Freundin: Chantal. Nicht mehr wieder zu erkennen ist er deshalb, trinkt Rotwein, kocht stundenlang affektiert klingende Speisen und "hat das Spazieren für sich entdeckt". Aber damit nicht genug Männlichkeitsentfremdung für den Primitivling Barth, denn Chantal macht auch seine Freundin ganz wuschig. So wuschig, dass sein "Schatz" am Ende ihren natürlichen Veranlagungen vom Kinderwunsch über die Sehnsucht nach Städtereisen bis zur Logos-formatierten Kauforgie mit der Kreditkarte des männlich Verzweifelten freien Lauf lässt.

So einfach ist der gute alte Herrenwitz aus dem Käfig und brüllt, dass sich die Balken biegen. Gut, er ist lexikalisch entmottet und subthematisch modernisiert, aber er speist sich aus dem gleichen Merkmalskatalog, der schon die Stammtische zu Zeiten des Wirtschaftswunders beglückt hat. Dass sich im Kieler Schloss auch die Frauen vergnügt auf die Schenkel schlagen, wo manch Gralshüterin der Etikette und Political Correctness eigentlich die Stirn als Schlagziel vorschlagen würde, zeigt, wie harmlos diese Zoten sind.

Sein Szenario vom Krampf der Geschlechter ist kein sehr scharfsinniges und schon gar kein subtiles. Warum lange um den Gegner rumtänzeln, wenn man ihm gleich eins auf die Zwölf geben kann, lautet das Credo. Es sind Zoten der kurzen Wege vom ersten Satz bis zur Pointe: zahnlos aber kurzweilig, die verarbeiteten Rollenmuster abgeschmackt, aber wirkungsvoll. Bei Mario Barth sind es die Frau, die "Ja" meint, wenn sie "Nein" sagt und der Mann, der wenig meint und noch viel weniger sagt, die sich ihm im Alltag offenbaren. Kiel und der Rest der Republik feiern ihn für diesen harmlosen Chauvinismus. Zwei Zugaben, dann geht Mario Barth und kommt wieder: und zwar in einem knappen Jahr. Für ein Zusatzkonzert in der Ostseehalle am 16. Februar 2007